Erstes Ziel: Senken der Blutfettwerte
Einmal erkannt, sollten erhöhte Blutfettwerte so schnell wie möglich gesenkt werden. Denn die Hypercholesterinämie kann gefährliche Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Wichtiger Bestandteil einer Therapie ist ein gesunder Lebensstil. Darüber hinaus helfen eine Reihe von Medikamenten.Im Überblick
Cholesterin senken: Oft reicht eine Umstellung des Lebensstils
Sport, gesunde Ernährung, Nichtrauchen, Alkoholkonsumdrosselung - mancher Patient mag es nicht mehr hören. Doch auch bei der Behandlung der Fettstoffwechselstörungen steht ein gesunder Lebensstil an erster Stelle. Gerade Fettstoffwechselstörungen, die eine Folge von Fehlernährung und Bewegungsmangel sind, lassen sich auf diese Weise oftmals gut in den Griff bekommen. Doch kann es bei einigen Patienten nötig sein, die Blutfette zusätzlich mit Medikamenten zu senken.
Patienten mit einer vererbten Fettstoffwechselstörungen brauchen Medikamente
Anders verhält es sich mit den genetisch bedingten Fettstoffwechselstörungen: Wenn eine familiäre Hypercholesterinämie vorliegt, ist eine medikamentöse Therapie notwendig. Oftmals werden diese Patienten auch mit einer Apherese, einer speziellen Art der Blutwäsche, behandelt.
Andere Krankheiten als Ursache der Fettstoffwechselstörung sollten behandelt werden
Bei vielen Patienten ist die Fettstoffwechselstörung auch sekundär bedingt, d. h. Folge einer anderen Krankheit wie Magersucht, Schilddrüsenunterfunktion oder Diabetes mellitus. In diesen Fällen muss die Grundkrankheit behandelt werden. So muss z. B. der Diabetes eingestellt oder die Schilddrüsenunterfunktion mit Hormonen behandelt werden. Selbstverständlich ist auch bei der sekundären Fettstoffwechselstörung eine Umstellung der Lebensgewohnheiten immer Teil der Therapie.
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Patienten mit Fettstoffwechselstörungen sollten zum Fachmann gehen
Wer unter Fettstoffwechselstörungen leidet, sollte sich seinen Arzt mit Bedacht aussuchen: Erhöhte Blutfettwerte sind eine ernst zu nehmende Stoffwechselstörung. Sie betreffen das gesamte Gefäßsystem und können deshalb Ursache für scheinbar so unterschiedliche Krankheiten wie die koronare Herzkrankheit und die Schaufensterkrankheit sein, in manchen Fällen führen sie auch zu einem Schlaganfall.
Ein Arzt ist in Sachen Fettstoffwechselstörung kompetent, wenn er:
- Patienten mit Fettstoffwechselstörungen darüber aufklärt, wie wichtig eine Lebenstil-Änderung ist und Anregungen für eine gesündere Lebensweise gibt
- regelmäßig - bei Einnahme von Tabletten einmal im Quartal - die Blutfettwerte kontrolliert
- Triglyzeride, HDL-Cholesterin und Lipoprotein(a) kontrolliert und nicht nur das Gesamtcholesterin
- bei Tabletteneinnahme die Wirkung und Nebenwirkungen genau erklärt und beobachtet
- weitere Risikofaktoren für die Arteriosklerose im Blick behält, insbesondere Diabetes sowie Bluthochdruck - das bedeutet bei jedem Besuch des Patienten: Blutdruck messen und Blutzucker kontrollieren
- das Blut zur Blutzuckerkontrolle aus der Vene (intravenös) entnimmt und nicht durch einen Stich ins Ohr (Kapillarblut)
- bei nachgewiesener Arteriosklerose einmal im Jahr ein Belastungs-EKG vornimmt, sowie eine Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße und eventuell auch der Bein- und Nierenarterien.
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Statine senken das Cholesterin
Manchmal reicht eine Veränderung des Lebensstils bei Fettstoffwechselstörungen nicht aus - weil die Krankheit bereits weit vorangeschritten oder genetisch bedingt ist. In diesen Fällen ist eine medikamentöse Therapie notwendig. Inzwischen gibt es eine Reihe von Medikamenten, die jeweils auf ganz unterschiedliche Weise auf den Fettstoffwechsel wirken.
Statine senken die Cholesterin-Produktion in der Leber Sehr häufig werden seit einigen Jahren Statine eingesetzt. Statine hemmen das Schlüsselenzym für die Cholesterin-Produktion (die HMG-CoA-Reduktase) in der Leber. Sie werden deshalb auch HMG-CoA Reduktase-Hemmer oder CSE-Hemmer (Cholesterin-Synthese-Enzym-Hemmer) genannt. Durch die Hemmung dieses Enzyms produziert die Leber weniger Cholesterin. Um ihren Bedarf an Cholesterin zu decken, bildet sie mehr Andockstellen für das Cholesterin auf der Oberfläche. Die Rezeptoren sind die Aufnahmestellen für Cholesterin aus dem Blut in die Leber. Es gelangt also vermehrt Cholesterin aus dem Blut in die Leberzellen. Diese beiden Mechanismen bewirken, dass der Cholesterinspiegel im Blut sinkt. Es besteht keine Gefahr, dass der Cholesterinspiegel zu sehr gesenkt und ein Mangel an Cholesterin erzeugt wird, da jede Zelle Cholesterin bilden kann.
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Fibrate und Nikotinsäuren erhöhen das gute Cholesterin und senken die Triglyzeride
Während Statine auf das Cholesterin wirken, senken Fibrate in erster Linie die Triglyzeride im Blut. In geringerem Ausmaß senken sie auch LDL-Cholesterin. Außerdem erhöhen die Fibrate HDL-Cholesterin, das gute Cholesterin. Als positiven Nebeneffekt senken die Fibrate auch den Harnsäurespiegel.
Nikotinsäuren hemmen die Freisetzung von Fettsäuren
Bei kombinierten Fettstoffwechselstörungen, d. h. bei Störungen, die durch Vererbung und Lebensstil bedingt sind, setzen Ärzte vorzugsweise Medikamente aus der Gruppe der Nikotinsäuren ein. Bei Nikotinsäure, auch Niacin, handelt es sich um ein wasserlösliches Vitamin des B-Komplexes, das die Freisetzung der Fettsäuren aus dem Fettgewebe hemmt. Es senkt Cholesterin, die Triglyzeride und Lipoprotein(a) und erhöht das gute HDL- Cholesterin.
Kombinationstherapie ist gut möglich Nikotinsäure-Präparate sind auch in Kombination mit Statinen zugelassen. So kann eine effektivere Senkung des Cholesterins und der Triglyzeride bei einer gleichzeitigen Erhöhung des "guten" HDL-Cholesterins erreicht werden. Vor Therapiebeginn sollten neben den Lipidwerten auch die Leberenzyme und das Muskelenzym Kreatinkinase (CK) bestimmt werden, damit der Verlauf beurteilt werden kann.
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Gallensäureharze und Phytosterole können Blutfette senken
Bei Fettstoffwechselstörungen verschreiben Ärzte häufig Statine, Fibrate und Nikotinsäure. Diese Medikamente wirken in der Leber und im Blut. Daneben gibt es aber noch Medikamente die im Darm wirken, zu diesen zählen: Phytosterole und Gallensäureaustauschharze.
Pflanzliches Cholesterin hemmt die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm Das Phytosterin ist ein pflanzliches "Cholesterin", doch verursacht es keine Arteriosklerose. Ganz im Gegenteil: Es senkt den Cholesterinspiegel im Blut, indem es die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm ins Blut hemmt. Es konkurriert mit dem in seiner Struktur ähnlichen Cholesterin um die Resorption in der Darmschleimhaut. Phytosterin ist als Zusatz in Margarinen im Lebensmittelhandel erhältlich. Neueren Studien zufolge ist allerdings ein positiver Effekt auf das Gefäßsystem fraglich. Gallensäureharze senken den Cholesterin-Spiegel Die Gallensäureharze, auch Anionenaustauscherharze, wirken ebenfalls im Darm: Sie behindern die Wiederaufnahme von Gallensäuren ins Blut. So werden die Leberzellen angeregt, mehr Gallensäuren zu bilden. Das hierzu notwendige Cholesterin ziehen sie aus dem Blut. Als Folge sinkt der Cholesterinspiegel.
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Korrekte Einnahme der Medikamente bei Fettstoffwechselstörungen
Wie gut ein Medikament wirkt, ist nicht nur von der Dosierung und der Art des Wirkstoffs abhängig, sondern maßgeblich auch davon, wie es eingenommen wird. Manche Arzneimittel entfalten nicht ihre volle Wirkung oder haben stärkere Nebenwirkungen, wenn sie falsch eingenommen werden. So sollte das Statin Lovastatin beispielsweise mit dem Essen eingenommen werden, da so die Aufnahme im Darm verbessert wird. Pravastatin, ein anderes Statin, hingegen wirkt am besten auf nüchternen Magen. Da die Statine die Cholesterinproduktion in der Leber hemmen, sollten sie am besten abends eingenommen werden. Bei Gallensäureharze und bei dem Nahrungsergänzungsstoff Phytosterol ist es wichtig, anschließend zu essen, da anderenfalls keine Gallensäure ausgeschüttet wird und der Wirkmechanismus dieser Medikamente nicht einsetzen kann.
Nikotinsäurepräparat wird am besten kurz vor dem Schlafengehen eingenommen
Der Flush der gelegentlich nach Einnahme eines Nikotinsäurepräparates auftritt, lässt sich durch eine allmähliche Dosis-Steigerung vermeiden oder verringern. Die endgültige Dosis ist erreicht, wenn die Lipoprotein-Werte den gewünschten Zielwert erreicht haben. Auch ein Nikotinsäurepräparat sollte am besten abends kurz vor dem Schlafengehen mit einem leichten Snack eingenommen werden. Darüber hinaus empfiehlt es sich, Nahrungsmittel, die einen Flush begünstigen, wie Alkohol, Kaffee und stark gewürzte Speisen, zu meiden.
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Bei extrem hohen Cholesterin-Wert hilft die Plasma-Apherese
Ähnlich wie die Dialyse ist die Apherese eine Art der "Blutwäsche". Eine Kanüle wird an einer Armvene angelegt, das Blut fließt durch einen Apparat, in dem die überschüssigen Blutfette herausgefiltert werden. Über eine Vene des anderen Armes wird das Blut wieder zurückgeleitet. Der Patient kommt ca. einmal wöchentlich zur Behandlung. Diese Therapie ist jedoch Patienten vorbehalten mit homozygoter familiärer Hypercholesterinämie und Patienten mit nicht ausreichend behandelbaren Hypercholesterinämien, die bereits unter einer kardiovaskulären Erkrankung leiden, welche trotz optimaler Behandlung aller weiteren Risikofaktoren fortschreitet.
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