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descriptionGrafik: Blutstrom
Die Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus nimmt zu: Rund jeder zehnte Deutsche ist bereits betroffen. Doch viele wissen nichts davon und leben mit einer „Zeitbombe“.
descriptionMann trinkt aus Wasserflasche
Starker Durst, Juckreiz oder Impotenz sind nur einige der vielen Anzeichen von Diabetes. Ob die Erkrankung vorliegt, zeigen Blut- und Urinuntersuchungen.
descriptionArzt hält Apfel
Aktive Mitarbeit des Patienten ist gefragt, wenn es darum geht, den Blutzucker mit gesunder Ernährung, ausreichender Bewegung und Medikamenten zu senken.
descriptionInsulinfläschchen
Insulin lässt sich auf verschiedene Weise verabreichen. Aber es werden auch andere Wirkstoffe und Verfahren entwickelt, etwa die Zelltransplantation.
descriptionHand halten
Für Menschen mit Diabetes ist die aktive Unterstützung von Freunden und Familie wichtig. Die ideale Kost: Viel Obst und Gemüse, wenig Eiweiß und Fett.
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Hohen Blutzucker dreifach angehen

Eine gute Blutzuckereinstellung vermeidet sowohl akute Beschwerden als auch Spätfolgen. Bei Diabetes Typ 2 erreicht man dies meist durch die richtige Ernährung, ausreichend Bewegung und eine entsprechende medikamentöse Therapie. Daher ist die aktive Mitarbeit des Patienten bei der Behandlung von Diabetes mellitus besonders wichtig.

Im Überblick



Basistherapie und Behandlung mit Tabletten

In der Behandlung des Diabetes mellitus unterscheidet man drei grundlegende Therapieformen:
Therapieziele

Abhängig von Alter, Begleiterkrankungen und Form des Diabetes stehen folgende Therapieziele im Vordergrund:
  • die Lebensquälität zu erhalten beziehungsweise wieder herzustellen
  • die Kompetenz der Betroffenen (Empowerment) im Umgang mit der Erkrankung zu steigern
  • diabetesbedingte Begleiterkrankungen und Spätfolgen zu vermeiden
  • diabetesbedingte Beschwerden vorzubeugen beziehungsweise zu behandeln
  • die Nebenwirkung der Therapie und die Belastung des Patienten möglichst gering zu halten
Auch für folgende Parameter sollten Sie als Diabetespatient mit Ihrem Arzt individuelle Zielvereinbarungen treffen:
  • Blutzuckerwert nüchtern und nach dem Essen
  • HbA1c-Wert
  • Blutfette (Serum Cholesterin, LDL, HDL, Triglyceride)
  • Körpergewicht
  • Blutdruck
  • Änderung in der Lebensführung (Ernährung, Bewegung, Nikotin- und Alkoholkonsum)
HbA1c-Wert

Der HbA1c-Wert gilt als das Blutzuckergedächtnis. Anhand dieses Wertes beurteilt der Arzt die durchschnittliche Höhe des Blutzuckerspiegels in den vergangenen vier bis sechs Wochen. Der HbA1c-Wert ist damit ein Maß für die Blutzuckereinstellung: Ist der Patient optimal eingestellt, wird der Wert niedrig sein, liegen die Blutzuckerwerte im Durchschnitt höher als normal, ist das am hohen HbA1c-Wert erkennbar. Ziel jeder guten Diabetestherapie ist die dauerhafte Senkung des HbA1c-Wertes unter 6,5 Prozent.

Mittlerweile wird der HbA1c-Wert international einheitlich nicht mehr in Prozent vom Gesamthämoglobin (Hb) angegeben – die neue Einheit lautet mmol/mol. Die Werte lassen sich mit einer einfachen Formel umrechnen. So entspricht beispielsweise ein HbA1c-Wert von fünf Prozent etwa 33 mmol/mol, was wiederum einen langfristigen Blutzuckerdurchschnittswert von 97 mg/dl oder 5,4 mol/l widerspiegelt. Die einheitliche Angabe in mmol/mol hat den Vorteil, dass die Messwerte unterschiedlicher Labors besser als vorher miteinander vergleichbar sind.
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Blutzucker

Das regelmäßige Messen des Blutzuckers ist für jede Diabetesbehandlung unverzichtbar, denn ohne regelmäßige Kontrolle ist eine gute Diabeteseinstellung nicht möglich. Es ist erwiesen, dass die Selbstmessung der Blutglukose in hohem Maße zu einer Verbesserung der Lebensumstände beiträgt. Man muss seltener mit Folgeschäden oder Stoffwechselentgleisungen rechnen. Wichtig ist jedoch, dass Sie Ihre Messungen dokumentieren – zum Beispiel in einem Diabetes-Tagebuch. Wann und wie häufig Sie Blutzucker messen, legt Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen fest.

Harnzucker

Die Messung des Harnzuckers hat heute nur noch in Ausnahmefällen ihre Berechtigung – beispielsweise bei älteren Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, eine Blutzuckermessung durchzuführen. Allerdings bilden sich Folgeschäden der Niere durch Diabetes bereits unterhalb der Nachweisgrenze von Zucker im Urin – also bereits bei niedrigeren Blutzuckerwerten als 160 bis 180 mg/dl. Außerdem werden bei der Messung des Harnzuckers Unterzuckerungen nicht erkannt. Die Messung des Harnzuckers erfolgt mit speziellen Teststreifen, die in den Urin gehalten werden. Das Ergebnis lässt sich dann an einer Farbskala ablesen.

Acetonmessung im Urin

Die Acetonbestimmung (beziehungsweise Ketonbestimmung) im Urin ist in bestimmten Situationen notwendig – zum Beispiel bei mehrfach auftretenden Blutzuckerwerten von über 250 mg/dl, bei erhöhter Harnzuckerausscheidung und bei drohendem diabetischem Koma. Die Messung erfolgt ähnlich wie die Harnzuckermessung.
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Den Blutzucker richtig messen

Wenn Sie Ihren Blutzucker selbst messen, sollten Sie die folgenden allgemeinen Punkte beachten. Berücksichtigen Sie bitte auch die Gebrauchsanleitung Ihres Blutzuckermesssystems. 

So gehen Sie beim Blutzuckermessen am besten vor:
  • Legen Sie alle Utensilien bereit, die Sie zum Messen benötigen: Blutzuckermessgerät, Teststreifen, Stechhilfe mit Lanzette, Tagebuch und Kugelschreiber.
  • Waschen Sie sich vor dem Stechen die Hände mit warmem Wasser und Seife, trocknen Sie danach die Hände gut ab. Desinfektionsspray oder Alkohol sind nicht notwendig.
  • Entnehmen Sie den Teststreifen immer nur mit trockenen Fingern und verschließen Sie das Röhrchen gleich wieder. Verwenden Sie keine Teststreifen mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum.
  • Die meisten Personen benutzen zur Blutzuckermessung die vordere Fingerkuppe, dabei ist das Stechen an der seitlichen Fingerkuppe am wenigsten schmerzhaft.
  • Benutzen Sie zur Messung am besten den dritten bis fünften Finger und schonen Sie Daumen und Zeigefinger, die Sie im Alltag häufig benötigen.
  • Lassen Sie vor dem Stechen Blut in den Finger fließen – zum Beispiel durch „Ausschütteln“ der Hand nach unten oder leichtes Massieren. Somit müssen Sie nicht so tief stechen.
  • Sogenannte Stechhilfen können die Blutentnahme erleichtern, weil das Stechen automatisch ausgelöst wird.
  • Verwenden Sie Lanzetten nur einmal. Eine benutzte Lanzette ist nicht mehr steril und birgt bei erneuter Verwendung Infektionsgefahr. Außerdem verbiegt sich die Lanzette beim Einstechen und wird stumpf, wodurch zusätzlich die Haut verletzt werden kann.
  • Um den Blutstropfen zu gewinnen, drücken Sie bitte nur ganz leicht. Durch zu festes Drücken können die Blutwerte verfälscht werden.
  • Wie Sie das Blut auf den Teststreifen aufbringen, hängt vom jeweiligen Messsystem ab. Hier sollten Sie genau die Anleitung beachten.
Blutzuckermessgeräte
Mittlerweile ist eine Vielzahl von Blutzuckermessgeräten auf dem Markt. Dabei liegt die Messgenauigkeit guter Blutzuckermessgeräte bei zehn bis 15 Prozent Abweichung zum Laborblutzucker. Überprüfen Sie regelmäßig die Genauigkeit Ihres Messgerätes durch eine Parallelmessung mit einem Laborgerät. Außerdem müssen die Codierung von Teststreifen und Messgerät übereinstimmen. Bei falscher Handhabung oder unter extremen Bedingungen – zum Beispiel sehr niedrigen oder hohen Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit oder Messung in großen Höhen – kann es zu Fehlmessungen kommen. Viele Blutzuckermessgeräte haben heute Speichermöglichkeiten für die gemessenen Blutzuckerwerte, Datum und Uhrzeit, eventuell BE-Menge, Insulindosierung und besondere „Events“ (Vorkommnisse).
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Kontinuierliche Blutzuckermessung

Mit der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) – auch kontinuierlichen Blutzuckermessung genannt – lässt sich eine bessere Therapiekontrolle erzielen. Durch die ständige Überwachung des Blutzuckers werden Schwankungen erkannt, die durch die stichprobenartige Messung an einem Blutstropfen nicht bemerkt werden. So kann die Blutzuckereinstellung verbessert werden, was Folgeerkrankungen vorbeugt. Der Anstieg oder Abfall des Blutzuckerspiegels wird bei der kontinuierlichen Messung frühzeitig bemerkt und bisher unerkannte Blutzuckerschwankungen werden aufgedeckt.

Kontinuierliche Zuckermessung in der Gewebeflüssigkeit


Für die kontinuierliche Zuckermessung in der Gewebeflüssigkeit wird ein Sensor oder Messschlauch ins Unterhautfettgewebe gelegt – dort kann er über mehrere Tage bleiben. Die Geräte messen die Zuckerkonzentration über osmotische Verfahren oder durch enzymatische Umsetzung. Bisher sind schon verschiedene CGM-Systeme erhältlich. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Klären Sie mit Ihrer Krankenkasse, ob eine Kostenübernahme in Ihrem Fall möglich ist.

Kontinuierliche Zuckermessung ohne Verletzung der Haut

Auch nach Messmethoden, für die zur Blutzuckermessung die Haut nicht verletzt werden muss, wird intensiv gesucht – allerdings haben sich bis jetzt noch keine Geräte als ausreichend zuverlässig gezeigt.

Ein Gerät, das wie eine Uhr am Handgelenk getragen wird, erzeugt einen schwachen Stromfluss, durch den Glukose durch die Haut „gezogen“ und in der Messkammer der Uhr durch enzymatische Umsetzung gemessen wird. Ein anderes Gerät arbeitet mit einem Ultraschallsystem. Durch den Ultraschall wird die Haut für Zucker (Glukose) durchgängig gemacht.
Zukunftsvision: kontinuierliche Zuckermessung steuert Insulinpumpe


Die Zukunftsvision der Forscher ist es, dass der Diabetiker selbst nur noch bei technischen Problemen eingreifen muss. Denn das Gerät der Zukunft misst kontinuierlich den Blutzucker, wertet die Daten aus und deckt mit einer Insulinpumpe den Insulinbedarf wie beim Gesunden.
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Die Basistherapie bei Diabetes: Ernährung und Bewegung

Die Basistherapie in Form von Ernährungsumstellung und Bewegung spielt sowohl für Diabetes Typ 1 als auch Typ 2 eine Rolle. Im Rahmen von Schulungen und Beratungen werden die Betroffenen unterstützt, ihre Ernährung umzustellen und mehr Bewegung in ihren Alltag einzubauen.

Ernährung

Die Basis für die erfolgreiche Behandlung jeder Form von Diabetes mellitus ist bewusste Ernährung. Dabei müssen Sie keinesfalls auf Genuss verzichten. Vollwertige Mischkost mit reichlich Vollkornprodukten, Gemüse und Obst sowie Fleisch in Maßen ist für die Ernährung eines Menschen mit Diabetes mellitus ideal – genau wie für jeden Gesunden auch. Kohlenhydrate spielen dabei eine besondere Rolle, denn Sie beeinflussen unmittelbar den Blutzuckerspiegel. Auch ein gesundes Körpergewicht ist wichtig, da die Körperzellen bei Übergewicht schlechter auf Insulin reagieren.

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Bewegung

Die zweite Säule der Basistherapie ist ausreichende Bewegung. Sie senkt den Blutzuckerspiegel, weil durch die körperliche Aktivität mehr Glukose verbraucht wird. Außerdem steigt die Insulinempfindlichkeit und das vorhandene Insulin kann besser wirken. Insbesondere sorgt regelmäßige Bewegung bei übergewichtigen Diabetikern dafür, das Körpergewicht zu normalisieren. Immerhin sind circa 80 Prozent aller Typ-2-Diabetiker übergewichtig.

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Gesundheits-Pass Diabetes: Ihr persönlicher Diabetes-Ausweis

Wesentlicher Bestandteil einer guten Diabetestherapie ist es, Sie als Diabetiker zu bestärken, die vereinbarten Maßnahmen zu koordinieren und umzusetzen – in der Fachwelt spricht man auch von „Compliance“. Das therapeutische Gesamtkonzept muss dabei immer wieder individuell angepasst und vereinbart werden. Dies betrifft nicht nur die medikamentöse Therapie, sondern auch Schulungen, Ernährung oder Kontrolluntersuchungen. Dabei soll der „Gesundheits-Pass Diabetes“, der alle wichtigen Informationen zu Ihrer Zuckerkrankheit enthält, eine Hilfestellung sein.In diesem Pass werden die Ergebnisse Ihrer Untersuchungen eingetragen und Sie sehen auf einen Blick, wann welche Untersuchungen als nächstes anstehen. Wichtig sind auch die persönlichen Ziele für die nächsten Monate, die Sie dort gemeinsam mit Ihrem Arzt festhalten. Sie sollten den Pass immer mit sich führen, damit Sie jederzeit – zum Beispiel auch bei einem Krankenhausaufenthalt – die wichtigsten Daten griffbereit haben. In der Behandlung des Diabetes spielt die Lebensqualität eine wesentliche Rolle: Deswegen sollten auch regelmäßig Parameter wie das allgemeine Wohlbefinden erfasst werden. Ebenfalls wichtig ist, dass Sie schwere Unterzuckerungen und die Häufigkeit der Blutzucker- beziehungsweise Harnzuckermessungen dokumentieren. Den Gesundheits-Pass Diabetes erhalten Sie bei Diabetesschulungen in Praxen und Kliniken.
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Diabetes Typ 2: Therapie mit Tabletten

Beim Diabetes Typ 2 kann die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) im Gegensatz zu Diabetes Typ 1 noch Insulin produzieren. Allerdings ist beim Diabetes Typ 2 die Wirkung beziehungsweise die Freisetzung (Sekretion) des Insulins gestört. Deshalb muss nicht sofort Insulin gespritzt werden. Ein Diabetes Typ 2 kann – je nach Schwere der Zuckerkrankheit – auch nur mit Tabletten behandelt werden.

Wie wirken die Tabletten?

Orale Antidiabetika – also Tabletten gegen Diabetes mellitus – wirken auf verschiedene Weise. Einige Medikamente regulieren den Blutzucker, indem sie die Aufnahme von Glukose aus dem Darm verzögern oder die Glukoseaufnahme in die Zellen verbessern. Zu diesen Medikamenten zählen Biguanide (zum Beispiel Metformin), Alpha-Glukosidasehemmer, Füll- oder Quellstoffe und Glitazone (auch Insulinsensitizer). Andere Diabetestabletten senken den Blutzucker, indem sie die Insulinabgabe aus der Bauchspeicheldrüse ins Blut erhöhen. Zu diesen Medikamenten zählen Sulfonylharnstoffe und Glinide. Diese Tabletten sind für Patienten mit Diabetes Typ 1 ungeeignet, denn für diese Therapie muss die Bauchspeicheldrüse noch Insulin produzieren.

Wann beginnt die Therapie mit Tabletten?

Die Behandlung des Diabetes Typ 2 erfolgt nach einem Stufenplan. Zunächst beginnt man mit einer Basistherapie aus Ernährungsumstellung und Bewegung. Wenn dadurch innerhalb von drei Monaten das Blutzucker- und HbA1c-Ziel nicht erreicht wird, beginnt zusätzlich zur Basistherapie die Diabetestherapie mit Tabletten.

Wo sind die Grenzen der Therapie mit Tabletten?

Nicht immer lässt sich eine Diabeteserkrankung mit Tabletten ausreichend behandelt werden. Dann erfolgt die Umstellung auf Insulin. Diese Umstellung ist zum Beispiel nötig, wenn auch nach drei bis sechs Monaten durch orale Antidiabetika der Blutzucker nicht ausreichend gesenkt werden konnte. Auch Schwangerschaft, Operationen oder schwere Erkrankungen können eine Behandlung mit Insulin erforderlich machen.
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Stufenplan der Therapie mit Medikamenten

An erster Stelle steht bei der Therapie des Diabetes Typ 2 immer die Basistherapie – eine Kombination aus Ernährungs- und Bewegungstherapie. Erst wenn durch diese Therapie keine ausreichende Blutzuckereinstellung möglich ist, sollte eine Therapie mit Medikamenten begonnen werden. Die Auswahl der optimalen Therapie erfolgt mit Hinblick auf die Bedürfnisse des Patienten und die verschiedenen Wirkmechanismen der Medikamente durch den behandelnden Arzt.

Therapiebeginn bei Diabetes Typ 2 mit Übergewicht

Bei Diabetes Typ 2 mit Übergewicht steht häufig eine Insulinresistenz – die gestörte Wirkung von Insulin – im Vordergrund. Dadurch kann Glukose nicht mehr aus dem Blut in Muskel- und Fettzellen aufgenommen werden. Für diese Störung ist Metformin das Medikament der ersten Wahl. Sollte Metformin nicht vertragen werden oder ein anderer Grund gegen die Therapie mit Metformin sprechen, können auch Glitazone oder Sulfonylharnstoffe zur alleinigen Behandlung eingesetzt werden.

Therapiebeginn bei Diabetes Typ 2 mit Normalgewicht

Bei Diabetes Typ 2 mit Normalgewicht ist häufig die Insulinfreisetzung aus der Bauchspeicheldrüse in die Blutbahn gestört. Wenn die Bauchspeicheldrüse noch genug Insulin produziert, können Medikamente gegeben werden, die die Insulinfreisetzung anregen. In diesem Fall wird die Therapie häufig mit Glibenclamid aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe begonnen. Die Therapie kann aber auch mit Repaglinid aus der Gruppe der Glinide erfolgen.

Kombinationstherapie bei Diabetes Typ 2

Wenn der Blutzucker mit einem Medikament allein nicht ausreichend gesenkt wird, dann wird meistens eine Kombination aus verschiedenen oralen Antidiabetika gegeben. Erst, wenn auch so das Therapieziel nicht erreicht werden kann, sollte eine Insulintherapie begonnen werden.

Maßnahmen bei gestörter Glukosetoleranz

Bei gestörter Glukosetoleranz kann der „Aufstieg“ zum Diabetes Typ 2 durch eine Umstellung des Lebensstils mit einer Ernährungsumstellung und Bewegungstherapie verhindert oder zumindest verzögert werden. Diese Maßnahmen lässt sich eventuell durch Alpha-Glukosidase-Hemmer, unterstützen, die die Zuckeraufnahme aus dem Darm verzögern.
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Biguanide (Metformin)

Metformin ist momentan das einzige Biguanid in der Therapie von Diabetes Typ 2.

Wirkmechanismus: Wie senken Biguanide den Blutzucker?

Metformin bremst die Zuckerneubildung in der Leber, dadurch wird der Nüchternblutzucker gesenkt. Außerdem verbessert es die Insulinwirkung und Zuckerverwertung in der Muskulatur und im Fettgewebe und verzögert die Zuckeraufnahme vom Darm ins Blut. Daneben verbessert Metformin die Blutfettwerte: Es senkt das „schlechte“ LDL-Cholesterin und die Triglyzeride und erhöht das „gute“ HDL-Cholesterin. Zusätzlich begünstigt Metformin die Gewichtsabnahme, weil es den Appetit hemmt.

Indikation: Für wen sind Biguanide geeignet?

Metformin wird als „Mittel der ersten Wahl“ bei Diabetes Typ 2 eingesetzt. Voraussetzung ist, dass die Bauchspeicheldrüse noch Insulin produziert. Metformin ist besonders zur Behandlung von Typ-2-Diabetikern mit Übergewicht geeignet, wenn durch Diät und Bewegung allein keine ausreichende Blutzuckereinstellung erreicht werden konnte. Aber auch normalgewichtige Diabetiker können mit Metformin behandelt werden. Haben Patienten auch ein metabolisches Syndrom, profitieren sie doppelt. Denn Metformin senkt neben dem Blutzucker auch die Blutfettwerte und vermindert das Risiko einer Arteriosklerose – dadurch werden Schlaganfall oder Herzinfarkt seltener. Metformin kann auch in Kombination mit anderen oralen Antidiabetika oder Insulin angewendet werden.

Kontraindikationen: Wann sollten Biguanide nicht genommen werden?

Zur Vermeidung von Nebenwirkungen darf Metformin bei Nierenschwäche, Lebererkrankungen, schwerer Herzinsuffizienz, Lungeninsuffizienz oder Alkoholsucht nicht eingenommen werden. Bei Operationen, schweren fiebrigen Erkrankungen, einem Herzinfarkt oder Röntgenkontrastmittel-Untersuchungen sollte die Behandlung mit Metformin unterbrochen werden. Auch in Schwangerschaft und Stillzeit ist Metformin ungeeignet.

Nebenwirkungen: Welche treten unter Biguaniden auf?

Zu Beginn der Metformin-Therapie kann es zu Magen-Darm-Beschwerden kommen. Eine seltene, aber schwere Nebenwirkung von Metformin ist die sogenannte Laktazidose – eine Übersäuerung des Blutes. Sie tritt bei Nichtbeachtung der Kontraindikationen auf und beginnt erst nach längerer Einnahme. Anzeichen sind Müdigkeit, Schwäche – später auch Magen-Darm-Beschwerden und Fieber.

Besonderheiten, Vorteile, Nachteile: Was ist bei Biguaniden zu beachten?

Wegen möglicher vorübergehender Magen-Darm-Unverträglichkeiten wird die Therapie „einschleichend“ mit niedriger Anfangsdosierung begonnen. Die Gefahr einer Unterzuckerung besteht bei Metformin praktisch nicht.
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Alpha-Glukosidasehemmer (Acarbose und Miglitol)

Wirkmechanismus: Wie senken Glukosidasehemmer den Blutzucker?

Acarbose und Miglitol verzögern den Abbau von Kohlenhydraten und damit die Aufnahme von Glukose im Darm. Denn beide Stoffe hemmen Verdauungssäfte (Enzyme), die im Darm Zuckerketten (Stärke, Haushaltszucker) in Glukose zerlegen. Dadurch wird nach einer Mahlzeit der Anstieg des Blutzuckerspiegels verzögert und Blutzuckerspitzen gesenkt. Nach einigen Wochen wird auch der Nüchternblutzucker gesenkt.

Indikation: Für wen sind Glukosidasehemmer geeignet?

Acarbose und Miglitol werden bei Diabetes mellitus als Zusatztherapie gemeinsam mit einer Diät eingesetzt. Sie sind besonders für Typ-2-Diabetiker mit Übergewicht geeignet. Acarbose und Miglitol können auch zusammen mit anderen Diabetesmedikamenten genommen werden. Neue Studien geben einen Hinweis darauf, dass Acarbose auch schon bei Vorstufen des Diabetes Typ 2 helfen könnte. Durch die Einnahme gemeinsam mit einer Umstellung des Lebensstils scheint es möglich, den „Aufstieg“ zum Diabetes Typ 2 zu verzögern oder sogar zu verhindern.

Kontraindikationen: Wann sollten Glukosidasehemmer nicht genommen werden?

Wenn Diabetiker an chronischen Darmerkrankungen oder einer schweren Niereninsuffizienz leiden, sollten sie keine Glukosidasehemmer einnehmen. Auch Kinder, Jugendliche und Schwangere sollten Acarbose und Miglitol nicht einnehmen, da hier keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen.

Nebenwirkungen: Welche treten unter Glukosidasehemmern auf?

Bei der Einnahme von Acarbose und Miglitol können Blähungen, seltener auch Durchfall und Bauchschmerzen auftreten. Sie entstehen durch die Umstellung der Verdauung und die Vergärung von Kohlenhydraten im Dickdarm. Diese Nebenwirkungen lassen sich durch eine „einschleichende“, anfangs geringe Dosierung deutlich reduzieren.

Besonderheiten, Vorteile, Nachteile: Was ist bei Glukosidasehemmern zu beachten?

Um Magen-Darm-Beschwerden zu vermeiden, wird die Therapie mit einer niedrigen Dosierung begonnen. Der Patient nimmt Acarbose und Miglitol zum Essen mit den ersten Bissen ein.Tritt eine Unterzuckerung bei einer gleichzeitigen Therapie mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin auf, muss Glukose (Traubenzucker) gegeben werden, denn Haushaltszucker kann wegen der Wirkung von Acarbose oder Miglitol nicht schnell genug aufgenommen werden.
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Füll- und Quellstoffe (Guar)

Wirkmechanismus: Wie senken Füll- und Quellstoffe den Blutzucker?

Guar verzögert die Magenentleerung in den Dünndarm und von dort die Aufnahme von Kohlenhydraten und Fetten in das Blut. Dadurch lassen sich sowohl Blutzucker als auch Blutfettwerte senken.

Indikation: Für wen sind Füll- und Quellstoffe geeignet?

Guar kann bei Diabetes als Zusatztherapie zu einer Diät eingesetzt werden.

Kontraindikationen: Wann sollten Füll- und Quellstoffe nicht genommen werden?

Guar dürfen Diabetespatienten nicht bei Erkrankungen von Speiseröhre, Magen und Darm mit Verengungen einnehmen. Auch orale Kontrazeptiva („Pille“) sollten nicht mit Guar kombiniert werden.

Nebenwirkungen: Welche treten unter Füll- und Quellstoffen auf?

Bei Behandlungsbeginn kann es zu Magen-Darm Beschwerden kommen.

Besonderheiten, Vorteile, Nachteile: Was ist bei Füll- und Quellstoffen zu beachten?

Der Diabetespatient sollte Füll- und Quellstoffe immer mit genügend Flüssigkeit einnehmen. Außerdem könnten durch eine verminderte oder verzögerte Aufnahme aus dem Darm andere Medikamente nicht mehr ausreichend wirken. Diese Stoffe werden in den offiziellen Leitlinien nicht erwähnt. Sie werden meistens als Zusatztherapie verwendet.
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Glitazone/Insulinsensitizer (Pioglitazon)

Bekannter Vertreter der Glitazone – und mittlerweile das einzige in Deutschland zugelassene Mittel dieser Subtanzgruppe – ist Pioglitazon. Weitere Namen für diese Medikamente sind Insulinsensitizer, PPAR-gamma-Liganden oder Thiazolidindione.

Wirkmechanismus: Wie senken Glitazone den Blutzucker?

Pioglitazon vermindert die Insulinresistenz. Das bedeutet, sie verbessern die Insulinwirkung und damit die Glukoseaufnahme in Muskel-, Fett- und Leberzellen – dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel. Wegen dieses Wirkmechanismus spricht man auch von Insulinsensitizern (Insulin-Empfindlichmachern). Pioglitazon verbessert darüber hinaus die Blutfettwerte, es erhöht das „gute“ HDL-Cholesterin und senkt die Triglyceride.

Indikation – Für wen sind Glitazone geeignet?

Pioglitazon wird bei Diabetes Typ 2 eingesetzt,wenn allein durch Diät und Bewegung keine ausreichende Blutzuckereinstellung erreicht werden konnte und die Monotherapie nicht mit Metformin durchgeführt werden soll. Sie sind besonders für übergewichtige Diabetiker geeignet. Haben Patienten auch ein metabolisches Syndrom, profitieren sie doppelt von der Therapie mit Pioglitazon: Das Medikament senkt neben dem Blutzucker auch die Blutfettwerte. Beide Medikamente können auch in Kombination mit Metformin oder Sulfonylharnstoffen angewendet werden.

Kontraindikationen: Wann sollten Glitazone nicht genommen werden?

Pioglitazon darf nicht bei einer bekannten Überempfindlichkeit, Herzinsuffizienz, Blasenkrebs oder Leberfunktionsstörungen eingenommen werden. Daneben sollte keine gleichzeitige Therapie mit Insulin erfolgen. Außerdem sollte dieses Medikament nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit zum Einsatz kommen.

Nebenwirkungen: Welche treten unter Glitazonen auf?

Pioglitazon kann zu Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) und dadurch zu einer Gewichtszunahme führen. Daneben können Blutarmut (Anämie) und Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Ob Glitazone auch Leberstörungen auslösen können, ist noch nicht endgültig geklärt.

Besonderheiten, Vorteile, Nachteile: Was ist bei Glitazonen zu beachten?

Die Häufigkeit von Störungen der Leber scheint unter Glitazonen nach dem derzeitigen Erkenntnisstand nicht erhöht zu sein. Dennoch sollten die Leberwerte überwacht werden. Der Stellenwert des Pioglitazons bei der Therapie des Diabetes Typ 2 hat abgenommen, da es bei gesetzlich Versicherten nicht mehr erstattet wird. Der Grund: Wegen einer Häufung von Nebenwirkungen sind Zweifel an dem Nutzen des Medikamentes aufgekommen. Der Beurteilungsbericht der European Medicines Agency hat jedoch das Medikament auf dem Markt belassen, da der Nutzen die Risiken überragt.
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Sulfonylharnstoffe (Glibenclamid)

In Deutschland verfügbare Sulfonylharnstoffe sind Glibenclamid, Glibornurid, Gliclazid, Glimepirid, Gliquidon und Tolbutamid.

Wirkmechanismus: Wie senken Sulfonylharnstoffe den Blutzucker?

Sulfonylharnstoffe regen die Freisetzung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse in die Blutbahn an. Bei Diabetes Typ 2 liegt – im Gegensatz zu Diabetes Typ 1 – kein absoluter Insulinmangel vor. In den meisten Fällen wird sogar mehr Insulin produziert. Allerdings erfolgt die Freisetzung des Insulins aus der Bauchspeicheldrüse verzögert. Es ist unklar, ob Sulfonylharnstoffe darüber hinaus durch andere Wirkungen den Blutzucker senken.

Indikation: Für wen sind Sulfonylharnstoffe geeignet?

Sulfonylharnstoffe werden ausschließlich bei Typ 2 Diabetikern eingesetzt, bei denen die Bauchspeicheldrüse noch ausreichend Insulin produzieren kann. Die Therapie ist zu empfehlen, wenn allein durch Diät und Bewegung keine ausreichende Blutzuckereinstellung erreicht werden konnte und die Monotherapie nicht mit Metformin durchgeführt werden soll. Diabetespatienten können entweder nur Sulfonylharnstoffe einnehmen, er kann sie aber auch mit Metformin, Alpha-Glucosidase-Hemmern oder Glitazonen kombinieren.

Kontraindikationen: Wann sollten Sulfonylharnstoffe nicht genommen werden?

Bei Diabetes Typ 1, nachlassender Insulinproduktion (Sekundärversagen), Niereninsuffizienz, Leberinsuffizienz oder Allergien gegen diese Stoffgruppe dürfen Sulfonylharnstoffe nicht eingenommen werden. Bei größeren Operationen, schweren Infektionen, einer geplanten oder bestehenden Schwangerschaft und in der Stillzeit sollte die Therapie mit Sulfonylharnstoffen unterbrochen werden.

Nebenwirkungen: Welche treten unter Sulfonylharnstoffen auf?

Die häufigste Nebenwirkung von Sulfonylharnstoffen ist die Unterzuckerung (Hypoglykämie). Weitere Nebenwirkungen sind eine Gewichtszunahme, seltener Allergien, Blutbildveränderungen, Magen-Darm-Störungen oder Leberveränderungen.

Besonderheiten, Vorteile, Nachteile: Was ist bei Sulfonylharnstoffen zu beachten?

Bei Sulfonylharnstoffen sollte die Dosiseinstellung für jeden Patienten individuell und einschleichend erfolgen. Es gilt das Prinzip: „So wenig wie möglich, so viel wie nötig.“ Die gefürchtete Unterzuckerung (Hypoglykämie) kann durch engmaschige Blutzuckerkontrollen und konsequente Ernährung verhindert oder zumindest reduziert werden. Bei Sulfonylharnstoffen kann es zu einem Sekundärversagen kommen: Nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung kann der Blutzucker durch Sulfonylharnstoffe nicht mehr eingestellt werden, weil die Insulinproduktion nachlässt. Dann sollte die Therapie mit Insulin begonnen werden.

Bitte beachten Sie: Werden zusätzlich zu Sulfonylharnstoffen noch weitere Medikamenten eingenommen, sind Wechselwirkungen möglich. Eine Vielzahl von Medikamenten kann die Wirkung von Sulfonylharnstoffen entweder verstärken oder abschwächen. Bitte geben Sie Ihrem Arzt immer alle Medikamente an, die Sie einnehmen, damit er die richtige Auswahl für Sie treffen kann.
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Glinide (Repaglinid, Nateglinid)

Glinide sind eine neuere Substanzgruppe in der Diabetestherapie – bekannte Vertreter sind Repaglinide und Nateglinide.

Wirkmechanismus: Wie senken Glinide den Blutzucker?

Repaglinid und Nateglinid regen die Freisetzung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse in die Blutbahn an. Denn bei Diabetes Typ 2 liegt – im Gegensatz zu Diabetes Typ 1 – kein absoluter Insulinmangel vor. In den meisten Fällen wird sogar mehr Insulin produziert. Allerdings erfolgt die Freisetzung des Insulins aus der Bauchspeicheldrüse verzögert.

Die Wirkung ist der von Sulfonylharnstoffen sehr ähnlich. Der Unterschied besteht darin, dass Repaglinid und Nateglinid den Insulinspiegel sehr schnell ansteigen lassen und nur etwa vier beziehungsweise zwei Stunden wirken. Daher erlauben Glinide eine flexible, mahlzeitenbezogene Therapie.

Indikation: Für wen sind Glinide geeignet?

Repaglinid und Nateglinid werden ausschließlich bei Diabetes Typ 2 eingesetzt, wenn die Bauchspeicheldrüse noch ausreichend Insulin produzieren kann. Die Therapie ist zu empfehlen, wenn allein durch Diät und Bewegung keine ausreichende Blutzuckereinstellung erreicht werden konnte. Für die Monotherapie ist nur Repaglinid zugelassen, Nateglinid darf nicht allein gegeben werden. Repaglinid und Nateglinid können zusammen mit Metformin eingesetzt werden, wenn der Blutzucker durch Metformin allein nicht ausreichend gesenkt werden konnte.

Kontraindikationen: Wann sollten Glinide nicht genommen werden?

Bei Diabetes Typ 1, nachlassender Insulinproduktion (Sekundärversagen), Niereninsuffizienz (eventuell kann hier noch Repaglinid genommen werden), Leberinsuffizienz oder Allergien gegen diese Stoffgruppe dürfen Glinide nicht eingenommen werden. Bei größeren Operationen, schweren Infektionen, einer geplanten oder bestehenden Schwangerschaft und in der Stillzeit sollte die Therapie mit diesen Medikamenten unterbrochen werden.

Nebenwirkungen: Welche treten unter Gliniden auf?

Die häufigste Nebenwirkung von Repaglinid und Nateglinid sind die Unterzuckerung (Hypoglykämie) oder eine Gewichtszunahme. Daneben können Allergien und Magen-Darm-Störungen auftreten.

Besonderheiten, Vorteile, Nachteile: Was ist bei Gliniden zu beachten?

Repaglinid und Nateglinid werden unmittelbar vor Hauptmahlzeiten wie Frühstück, Mittagessen oder Abendessen eingenommen. Die individuelle Dosisanpassung sollte durch den behandelnden Arzt erfolgen. Bei Gliniden kann es zu einem Sekundärversagen kommen – das heißt: Nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung kann der Blutzucker durch Glinide nicht mehr eingestellt werden.
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Naturheilverfahren bei Diabetes

Viele Diabetiker möchten mit Naturheilverfahren die Therapie gegen Ihren Diabetes oder diabetische Begleiterkrankungen ergänzen. Während manche dieser Therapien effektiv sind, können andere wirkungslos oder sogar schädlich sein. Ersetzen Sie nicht die vom Arzt verordnete, erprobte Therapie gegen Naturheilmethoden, deren Wirkung nicht bewiesen ist. Um Neben- und Wechselwirkungen zu vermeiden, sollten Sie Ihren Arzt informieren, wenn Sie zusätzliche Therapien aus der Naturheilkunde anwenden.

Bei der Akupunktur werden vom Therapeuten spezielle Nadeln an bestimmten Punkten in die Haut gestochen. Die Wirksamkeit der Akupunktur gegen chronische Schmerzen konnte für verschiedene Erkrankungen gezeigt werden. Auch bei der diabetischen Neuropathie, einer schmerzhaften Nerven-Schädigung, kann die Akupunktur Linderung bringen.

Yoga ist eine indische philosophische Lehre, die eine Reihe körperlicher Übungen, Meditation und eventuell Askese umfasst. Für Diabetiker ist Yoga eine geeignete Bewegungsform, die viele Muskeln trainiert. Ein weiteres Element von Yoga ist die Entspannung und der Abbau von Stress, der für erhöhte Blutzuckerwerte und ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mitverantwortlich sein kann. Dadurch kann regelmäßig praktiziertes Yoga positive Effekte auf die Blutzuckereinstellung und auf das Herz-Kreislauf-Risiko haben. Als alleinige Diabetestherapie ist Yoga ungeeignet.

Als Biofeedback wird eine Methode aus der Verhaltenstherapie bezeichnet, bei der der Patient lernen soll, Körperfunktionen willentlich zu beeinflussen. Diese Methode wird zum Beispiel bei Schmerzerkrankungen eingesetzt. Anwender der Technik glauben zum Teil, auch chronische Krankheiten willentlich beeinflussen und heilen zu können.
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Neue Strategien in der Diabetestherapie

In der Erforschung von Diabetes hat sich in den vergangenen Jahren vieles getan. Dabei wurden zahlreiche Möglichkeiten für zukünftige Therapien bei Diabetes Typ 1 und Typ 2 entwickelt. In den folgenden Abschnitten stellen wir neue Therapieansätze vor.
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Inkretine regen die Bauchspeicheldrüse an

Inkretine sind Dünndarmhormone, die nach der Nahrungsaufnahme freigesetzt werden und die Insulinsekretion der Bauchspeicheldrüse anregen. Gleichzeitig hemmen sie die Freisetzung des Insulin-Gegenspielers Glucagon. Bei Typ-2-Diabetikern werden weniger Inkretine freigesetzt als bei Gesunden. Für die Diabetestherapie sind vor allem die Inkretine GLP-1 (Glucagon-like-Peptide-1) und GIP (Gastric Inhibitor Peptide) interessant. Es gibt zwei Arzneistoffgruppen, die am Inkretinstoffwechsel wirken: Inkretin-Mimetika, die die Wirkung von Inkretinen nachahmen, und DPP-4-Hemmer, die den Abbau von körpereigenen Inkretinen verzögern.

Exenatide ahmt Inkretin-Wirkung nach

Exenatide – das erste Inkretin-Mimetikum – ahmt die Wirkung von GLP-1 nach, nur wirkt es länger. Exenatide wird zusätzlich zu Tabletten gegen Diabetes zweimal täglich wie Insulin gespritzt. Es steigert die Freisetzung von Insulin in Abhängigkeit der aufgenommenen Kohlenhydratmenge und verzögert die Magenentleerung. Dadurch wird der Blutzuckerspiegel gesenkt – vor allem die Blutzuckerspitzen nach dem Essen nehmen ab. Die Gefahr von Unterzuckerungen ist geringer als bei der Insulintherapie. Zusätzlich erhöht Exenatide das Sättigungsgefühl und erleichtert das Abnehmen. In Tierversuchen erhöhten Inkretin-Mimetika zusätzlich die Zahl der insulinproduzierenden Bauchspeicheldrüsenzellen und verbesserten deren Funktion.

Sitagliptin verzögert den Abbau körpereigener Inkretine

Sitagliptin und Saxagliptin sind Wirkstoffe dieser Substanzklasse. Sie hemmen das Enzym DDP-4, das GLP-1 und GIP normalerweise in Minutenschnelle abbaut. Durch die Hemmung des Enzyms wird die Wirkung der körpereigenen Inkretine verlängert. Dadurch wirken Sitagliptin und Saxagliptin ähnlich wie Exenatide, allerdings können sie als Tablette eingenommen werden. Die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Sitagliptin und Saxagliptin konnten in mehreren Studien gezeigt werden und haben sich als gut erwiesen. Allerdings sollten Patienten auch auf mögliche Nebenwirkungen hingewiesen werden – etwa Kopfschmerzen, Schwindel und in seltenen Fällen auch akute Bauchspeicheldrüsenentzündungen. In der Schwangerschaft, bei Leber- und Niereninsuffizienz dürfen DPP-4-Hemmer – auch Gliptine genannt – nicht angewendet werden.
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